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Einfache Lösungen für ein kompliziertes Problem?

Dienstag, 11.45h: Mal wieder durchforste ich den Google Reader nach News rund ums Bier und langsam steigt die Wut in mir: Zum ungezählten Mal lesen meine Augen “Jugendlicher mit 2,6 Promille festgenommen” oder “Mann verliert Führerschein mit 3,0 Promille”. Wieviel muss man dafür wohl trinken? Diese Frage schiesst mir sofort in den Kopf. Aber genau deswegen machen die Schreiber auch gerne aus jedem Fall eine Schlagzeile. Shocking sells. Dieser Mechanismus macht mich wütend, vor allem weil ich selbst zu oft darauf reinfalle. Fest steht: Je hemmungsloser getrunken wird, desto mehr passiert.

Die Zahlen machen klar, dass Alkohol ein gesellschaftliches Problem ist aber mit insgesamt abnehmender Tendenz, besonders das Wehklagen der Brauereien klingt dabei vielen in den Ohren.

Wie passt das zusammen? Nach etwas Recherche scheint sich mein Verdacht zu bestätigen: Früher wurde generell mehr getrunken und auch von mehr Leuten. Das neue Phänomen ist, dass es eine kleine Gruppe das Trinken sehr exzessiv betreibt. Ein Fünftel der Jugendlichen zwischen 12 und 17 sollen es in Deutschland mit dem Alkohol regelmäßig übertreiben. 1,3 Millionen Deutsche sind alkholabhängig, 9,5 Millionen gefährdet.

Hochgeladen auf Flickr am 20. April 2008 von Ninha Morandini

Wer an einem Wochenende durch Großstädte flaniert, kommt schnell in Kontakt mit der jugendlichen Risiko-Gruppe. Mancherorts probiert man Ihnen mit Alkoholverboten entgegenzuwirken. Im britischen Königreich merkt man, dass nicht Sperrstunden sondern die Trinkkultur die Wurzel des Übels ist.

Mich nervt nur der offensichtliche Aktionismus in letzter Zeit: Terrorismus wird durch Präventivkriege bekämpft, Rauchen dadurch, dass man es überall verbieten will, Klimawandel durch Atomenergie und nun das Trinkproblem einer kleinen Gruppe durch ein Alkoholkaufverbot für alle.

Die Gesellschaft hat zwar ein abnehmendes aber immer noch gewichtiges Alkholproblem. Der Patient bedarf einer Behandlung. Doch scheint die Symptombekämpfung geringeren Widerstand zu bedeuten als Ursachen zu eliminieren. Alkohol-Besorgungsbeschränkung wird das Problem nicht lösen. Wäre eine höhere Besteuerung gerade für hochprozentigen Alkohol, eine Heraufsetzung des Mindestalters oder eine intensivere Behandlung in der Schule nicht sinnvoller? Die Ursachen der Alltagsflucht liegen eigentlich  noch tiefer: Steigende Unsicherheit, Desillusionierung, Job- und Zukunftsangst und Stress sind nur einige Entwicklungen die den exzessiven Griff zur Flasche befördern. Das sind zwar vielschichtige Phänomene aber das macht sie deshalb nicht falsch. Nur viel schwerer zu bekämpfen.

Funktioniert Karneval auch ohne Gläser?

Die Tage werden länger und viele warten schon auf die fünfte Jahreszeit, den Karneval.

Bild von Zeitfixierer found at flickr.comBei uns in der Stuttgarter Region ist der Fasching zwar keine Ausnahmezeit wie in Köln, Mainz, Luzern oder Wasungen aber zu beobachten scheint der Trend zu erhöhtem Aggressionspotenzial wegen übermäßigem Alkoholkonsum!

Ein alter Hut, ja ihr habt Recht ;) Aber dass deshalb das Glas verboten wird, scheint wenig Aufruhr zu erregen.

Wir finden, dass Bier einfach ins Glas gehört und würden gerne wissen was ihr meint. Ist das bei großen Festen mittlerweile einfach zu gefährlich geworden?

Beim Oktoberfest oder Volksfest wäre ein Verzicht auf die berühmte Glasmaß noch nicht denkbar aber die Entwicklungen der Faschingsstädte Aachen, Moers und nun auch Köln könnte Vorläufer einer generellen Entwicklung sein.

Bier aus PET ist zwar harmlos(er) aber schmeckt nicht, finden wir aber wenn’s anders nicht mehr geht muss man wohl in den sauren Apfel beissen. Aber geht es nicht mehr anders oder ist es einfach die bequemste Lösung für die steigende Aggressivität unter zu hohem Alkoholeinfluss?

Authentisch und tragisch…

..liegen nah beinander, ähnlich wie Bier und Paul Gascoigne:

Den von eingefleischten englischen Fussballfans nur “Gazza” genannte Paul Gascoigne scheint eine schwere Zeit durchzumachen – 6 Bier in 20 Minuten schafft man sonst nicht so ohne weiteres…

Come on, stay “Gazza” without getting “gaga”!Gascoigne

Eine eindeutig zweideutige Position – ohne immer doppelt zu sehen!

Als bekennendem Biertrinker fällt einem die Positionierung bei manchem Thema gar nicht so leicht:
Da kann man über die erfolgreiche Arbeit der Bierlobby gegen eine restriktivere Alkoholpolitik lesen und im Anschluss Kampagnen wie „Don’t drink and drive“ oder „Bier bewusst geniessen“ aus einem kritischeren Blickwinkel betrachten. Dennoch ist aus unserer Sicht ein vorschnelles Ablehnen dieser Kampagnen als reine PR-Aktion genauso irreführend wie sie als Königsweg der Suchtbekämpfung zu feiern. Wir halten den Ansatz richtig, ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen. Ein Blick auf die Websites der Bierbrauer zeugt von der wachsenden Erkenntnis hier klare Stellung gegen Alkoholmißbrauch zu beziehen. Bewusstsein für das Problem ist schön und wichtig, für jeden Einzelnen der regelmäßig ein kühles Blondes zischt, sollte es dazu führen sich auch ab und zu das Suchtpotenzial von Alkohol ins Gedächtnis rufen.

Doch wo fängt das Problem an? Die Auswahl von diversen Tests ist reichhaltig, nach kurzem Suchen sind wir auf einen gestoßen, der uns mit zehn Fragen zur Gruppe der Leute mit Alkoholproblem zählte. So schnell kann’s gehen!
Noch können wir unser Gewissen beruhigen, da wir ja schließlich potenzielle Kooperationspartner wie Gaffel Kölsch im Vorfeld auch testen müssen ;-)

Als Individuum mit gesellschaftlichem Verantwortungsbewußtsein steht bei uns der Vorsatz, bei kommenden Wochenend-Events, auch mal die Vorbildfunktion für die Heranwachsenden mit Leben auszufüllen. Denn auf der einen Seite über die versoffene Jugend mit wieder steigendem Alkoholkonsum zu schimpfen aber dabei selbst eins zu viel über den Durst zu trinken, ist nach kurzem Nachdenken auch für unsere gespaltenen Persönlichkeiten schlecht vereinbar.

Wir werden uns zwar weiterhin gerne am kühlen Gerstensaft erfreuen aber vielleicht mal überlegen ob die dritte Halbe die Partnerin wirklich (noch) schöner macht :-)