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Vorbild oder Feiern?

Gold. Die letzten Spielminuten sind vergangen und jede Spielerin weiss: Kanada hat Gold.

Olympia findet in der Heimat statt, das Stadion ist brechend voll und die kanadischen Eishockey-Spielerinnen machen sich und alle anderen rot-weiß-roten Fans glücklich:

Ausgelassen wird die Eismaschine gekapert, Bier, Champagner und Zigarren ausgepackt um den Sieg zu feiern, doch genau damit haben die offiziellen IOC-Mitglieder ein Problem. So etwas hätte in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Dafür sei die Kabine da, alles andere wäre schlecht für den Sport.

Auch nach Olympia, ist Alkohol in der Öffentlichkeit so eine Sache: Auf dem Spielplatz oder in der S-Bahn stört es und wird zurecht nicht geduldet. Auf der Wiese am Baggersee, im Park oder zum Fussball kann das Bier oder der Wein dazu gehören aber auf dem Eis oder Sportplatz? Da muss man erstmal überlegen: Klar, solche Feier-Bilder von Olympia gehen um die Welt und laufen nicht nur im Abendprogramm.

Andererseits weiss nicht schon jedes Kind, dass Alkohol und Feiern gerne kombiniert werden?

Zeigt man damit nicht, dass für außergewöhnliche Ereignisse auch Genussmittel da sind? Oder wird so fälschlicherweise schon kleinen Kindern gezeigt, dass Drogen wie Alkohol und Tabak normal sind?

Wie auch der Fall der deutschen Bischöfin Käßmann zeigt, hängt die Beurteilung wohl mit der Funktion der trinkenden Personen zusammen: Eine moralische Instanz wie es die Vorsitzende eine Kirche ist, entscheidet weise und hat Respekt verdient wenn sie nach einer 1,5 Promille-Fahrt zurücktritt. Zuviel Glaubwürdigkeit hätte sie für zukünftige Moraldebatten eingebüßt.

Doch Sportler, die hart und entbehrungsreich für ihr Ziel arbeiten, sollten sich zum Feiern nicht verstecken müssen. Sie haben zwar auch eine Vorbild-Funktion aber Kinder können auch schon in jungen Jahren sehr wohl unterschieden was eine besondere Situation ist und was die Befriedigung einer Sucht. Eine olympische Goldmedaille hat ein Bier verdient und das sollte man auch zeigen dürfen.

Oder findet ihr, das gibt schon ein zu verharmlosendes Bild ab? Oder im Gegenteil: Hätte Käßmann nicht zurücktreten müssen weil sie ja auch nur ein Mensch ist und Fehler machen darf? Wir sind auf eure Meinungen gespannt!

Eine eindeutig zweideutige Position – ohne immer doppelt zu sehen!

Als bekennendem Biertrinker fällt einem die Positionierung bei manchem Thema gar nicht so leicht:
Da kann man über die erfolgreiche Arbeit der Bierlobby gegen eine restriktivere Alkoholpolitik lesen und im Anschluss Kampagnen wie „Don’t drink and drive“ oder „Bier bewusst geniessen“ aus einem kritischeren Blickwinkel betrachten. Dennoch ist aus unserer Sicht ein vorschnelles Ablehnen dieser Kampagnen als reine PR-Aktion genauso irreführend wie sie als Königsweg der Suchtbekämpfung zu feiern. Wir halten den Ansatz richtig, ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen. Ein Blick auf die Websites der Bierbrauer zeugt von der wachsenden Erkenntnis hier klare Stellung gegen Alkoholmißbrauch zu beziehen. Bewusstsein für das Problem ist schön und wichtig, für jeden Einzelnen der regelmäßig ein kühles Blondes zischt, sollte es dazu führen sich auch ab und zu das Suchtpotenzial von Alkohol ins Gedächtnis rufen.

Doch wo fängt das Problem an? Die Auswahl von diversen Tests ist reichhaltig, nach kurzem Suchen sind wir auf einen gestoßen, der uns mit zehn Fragen zur Gruppe der Leute mit Alkoholproblem zählte. So schnell kann’s gehen!
Noch können wir unser Gewissen beruhigen, da wir ja schließlich potenzielle Kooperationspartner wie Gaffel Kölsch im Vorfeld auch testen müssen ;-)

Als Individuum mit gesellschaftlichem Verantwortungsbewußtsein steht bei uns der Vorsatz, bei kommenden Wochenend-Events, auch mal die Vorbildfunktion für die Heranwachsenden mit Leben auszufüllen. Denn auf der einen Seite über die versoffene Jugend mit wieder steigendem Alkoholkonsum zu schimpfen aber dabei selbst eins zu viel über den Durst zu trinken, ist nach kurzem Nachdenken auch für unsere gespaltenen Persönlichkeiten schlecht vereinbar.

Wir werden uns zwar weiterhin gerne am kühlen Gerstensaft erfreuen aber vielleicht mal überlegen ob die dritte Halbe die Partnerin wirklich (noch) schöner macht :-)